Mozart 100 – Ein Bericht

Mozart 100 – Ein Bericht

Erst dieses Jahr stellte ich mich einer Menge Herausforderungen. Der Völlerei habe ich den Kampf angesagt. Und auch wenn ich letztendlich kläglich gescheitert bin, so habe ich es wenigstens versucht. Ich setze die Kinder auch nicht vor den Fernseher, sondern stelle mich dem Wahnsinn und spiele stundenlang mit Puppen. Auch beruflich habe ich alles auf eine Karte gesetzt und mich zu einer Vollzeit-Anstellung hinreißen lassen. Jawohl, ich gehe einer geregelten Arbeit nach. Lediglich im Sport ließ die Herausforderung auf sich warten, was es schleunigst zu ändern galt.

Nun hat man als Läufer einen gewissen Anspruch. Man will sich schließlich nicht zum Affen machen, nur weil man fünf Kilo zu viel auf den Rippen hat und pro Kilometer zehn Sekunden langsamer ist als im Vorjahr. Richtig hart trainieren ist momentan aber auch nicht so bequem und der Gedanke an strukturierte Pläne löst ohnehin leichten Brechreiz bei einem aus. Eine neue Bestzeit auf 5, 10 oder gar 42 Kilometer kann man sich also schon mal abschminken. Man könnte sich jetzt einfach bei einem schlecht besetzten Volkslauf melden und den dort errungenen Sieg auf Facebook wie einen Olympiasieg inszenieren. Ist aber irgendwie auch blöd. Gesucht wird schließlich eine Herausforderung. Und wie es das Schicksal so will, fand ich diese, als mein Blick während eines zweiminütigen Facebook-Besuchs rein zufällig die Seite des Mozart 100 streifte.

105 Kilometer und 4700 Höhenmeter zum Großteil auf Trails und Naturwegen. Das klingt vernünftig. Gelaufen bin ich in letzter Zeit ohnehin ausreichend und auch wenn sich die langen Läufe an zwei Fingern abzählen lassen, sollte die Aufgabe machbar sein. Das Ziel ist das Ziel und einen 100er wollte ich sowieso immer schon laufen.

Um das Rennen selbst hülle ich lieber den Mantel des Schweigens, dennoch hier ein paar wenige Eindrücke:

Unser aller Freund und Feind Demeter Dick hat sich ein paar Stunden vor Rennbeginn nachgemeldet, was der ganzen Aktion zusätzlich Brisanz verlieh, schließlich weiß man, dass es der Gute weder mit der Orientierung noch mit einer konventionellen Renneinteilung so genau nimmt. Egal. Wir waren guter Dinge, das Drum irgendwie nach Hause zu laufen. Als passend erwies sich, dass sich Alex Steidl, den ich bis dahin nicht oder kaum kannte, zu uns gesellte. Das Trio war perfekt. Wir liefen locker los und fanden einen relativ guten Rhythmus. Es wurde gewitzelt und geplaudert, man sinnierte über vergangene und zukünftige Heldentaten und verrichtete ungezwungen sein Geschäft. Es schien alles wie immer. Bis sich am Fuschlsee, als die Beine erstmals schwer wurden, ein leiser Gedanke einschlich, dass das Tempo, ob der noch vor uns liegenden Distanz, eventuell doch zu hoch sein könnte. Auf diesen Geistesblitz konnte aber keine Rücksicht genommen werden, schließlich hatte Herr Dick einen fixen Plan, zu welcher Uhrzeit er bei Kilometer 40 durchlaufen wollte. Gewohnt vernünftige Einstellung. So plätscherten wir dahin, die Knie begannen sich bemerkbar zu machen und bei Kilometer 45 oder so ähnlich empfahl ich den Jungs, ohne mich weiterzulaufen, weil bei mir bergab nur noch Humpeln möglich war und ich niemandem ein Klotz am schweren Bein sein wollte.

In weiterer Folge versuchte ich in einem einsamen Rennen, im Flachen und bergauf zügig zu laufen, um im Downhill das meiste wieder zu verlieren. Funktionierte. Bei den Labestellen gab es dann immer wieder kurze Wiedersehen mit meinen ehemaligen auch nicht mehr ganz so frisch wirkenden Begleitern, bei denen man sich über das eigene Leid beklagen konnte: „Ma, so zach he. I bin so hin. Baah, i dreh durch“, sprudelte die übliche Jammerei dann aus meinem von Riegeln, Obst und Iso verklebten Mund. Trotz lächerlichen Tempos bergab konnte ich den Abstand in weiterer Folge im Rahmen halten. Bei Kilometer 90 und einem neuerlichen Treffen beschlossen wir, das Ding im Trio nach Hause zu laufen, was nach einigem Fluchen und Geschrei letztendlich auch gelang. Nach mehr als 13 Stunden gipfelte der Ausflug in einem erlösenden Zieleinlauf, der mit einem obligatorischen „Nie wieder“ quittiert wurde.

Dafür dass ich mir nicht allzu viel von diesem Lauf erwartet habe, war ich fernab von jeglichem Ergebnis doch überrascht, welchen Einfluss der Mozart 100 aus emotionaler Sicht auf mich hatte und immer noch hat. In gewisser Weise spiegelt so ein Ultra dein Leben. Du erlebst Höhen und Tiefen, und das Schlimme ist, du weißt nicht, wann sie dich einholen. Und wie im Leben, hast du auch hier dein Glück selbst in der Hand. Niemand zwingt dich aufzuhören. Niemand stoppt dich.

Während der 13 Stunden erzählt dir der Lauf eine Geschichte. Über das Laufen. Über die Vergangenheit. Über die Zukunft. Über Stärke und Schwäche. Über Schweiß und Tränen. Über Schmerz und Erlösung. Er erzählt dir eine Geschichte über dich selbst. Und du hörst zu. Das ist manchmal schön und manchmal hässlich. Aber immer empfehlenswert.

 

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